22. November 2018

Wohnungslosigkeit bei Frauen

Die Zahl der von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen in Berlin ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Berlin rechnet derzeit mit fast 50.000 Menschen, die in den nächsten Jahren unterbracht werden müssen. Die Menschen, die wir obdachlos auf den Straßen sehen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die Erhebung einer offiziellen Statistik wird gerade erst eingerichtet, denn die Regierungen der vergangenen Legislaturperioden haben dieses Problem ignoriert.

Es wird geschätzt, dass etwas ein Drittel der von Wohnungslosigkeit Betroffenen Frauen sind. Frauen werden schnell wohnungslos, wenn Beziehungen zerbrechen, denn meist steht der männliche Partner im Mietvertrag. Sehr oft flüchten Frauen auch vor der häuslichen Gewalt ihres Partners und müssen, wenn sie kein anderes Obdach finden, zu ihm zurück. Wohnungslose Frauen sind selten auf der Straße anzutreffen, denn hier sind sie großer Gefahr ausgesetzt. Fast alle wohnungslose Frauen haben Gewalt erlebt. Sie haben auch oft mehr mit der Scham über die eigene Situation zu kämpfen. So entwickeln sie Strategien, ihre Wohnungslosigkeit zu verbergen. Vor allem versuchen sie zu vermeiden, auf der Straße schlafen zu müssen. Vielfach kommen sie bei Freund*innen und Verwandten unter, oft gehen sie aber auch eigentlich nicht gewollte (Zweck-)Beziehungen zu Männern ein.

Die angespannte Lage auf dem Berliner Mietmarkt verschärft die Situation zusätzlich. Frauen, die in Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen untergekommen sind, verbleiben immer länger dort, denn sie finden keine bezahlbaren Wohnungen. So können die Plätze nicht mehr für andere Frauen zur Verfügung stehen.

Bisher gibt es in Berlin nur wenige reine Frauenunterkünfte und Obdächer, der Senat stellt daher nun deutlich mehr Mittel bereit, um die Situation zu verbessern. Mit dem Projekt "Housing First" werden in den nächsten drei Jahren 30 Wohnungen niedrigschwellig für Frauen bereitgestellt werden. Außerdem werden Beratungsangebote für psychisch erkrankte und suchtmittelabhängige Frauen* ausgebaut sowie zusätzliche Unterkünfte geschaffen.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch bei den weiteren Maßnahmen zur Hilfe für Wohnungslose auf konsequentes Gender Budjeting geachtet wird. Auf meine Initiative hin hat sich der Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung jetzt mit Wohnungslosen Frauen beschäftigt und Expertinnen zu einer Anhörung eingeladen.

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