07. April 2021

Veranstaltungsbericht: „Bi in Berlin – Wir müssen reden!“


 

Am 16. März haben mein Kollege Sebastian Walter und ich zur Online-Podiumsdiskussion „Bi in Berlin – Wir müssen reden!“ eingeladen, an der 50 Personen, auch aus anderen Bundesländern teilgenommen haben.

Das „B“ für „Bi“ steckt zwar in „LSBTIQ*“ drin, aber es ist dennoch in vielfacher Hinsicht nicht sichtbar genug. Und Vorurteile gegenüber und Ausgrenzung von bi- und pansexuellen Personen finden sich in der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft ebenso wie in der queeren Community.

Gemeinsam mit Expert*innen und Gäst*innen haben wir über unterschiedlichen Formen der Diskriminierung gesprochen, aber auch Forderungen an die Politik und gesellschaftliche Handlungsbedarfe zu erörtert.

 

Bisexualität in der Wissenschaft

Dr. Kim Ritter stellte die Hauptergebnisse ihrer wissenschaftlichen Forschung zu Diskriminierungserfahrungen und Anerkennungskonflikten von bisexuellen Menschen vor. Sie schlug vor von „geschlechterübergreifenden Begehren“ zu sprechen, da dieser Begriff im Unterschied zum Begriff Bisexualität, viel offener wäre und verschiedene Facetten von Bisexualität mitdenken würde. Statistisch gesehen sei geschlechterübergreifendes Begehren ähnlich groß wie gleichgeschlechtliches Begehren. Dennoch ist es viel unsichtbarer. Bis heute fehle eine passende positive Bezeichnung des eigenen Erlebens, auch weil geschlechterübergreifende Sexualität gesellschaftlich immer noch als „maßlos“ und/oder als „eine Phase im Leben“ (ab)gewertet werde. Ein Nicht-Outing führt zu Unsichtbarkeit. Sichtbarkeit wiederum brauche ein Umfeld ohne Diskriminierung.

 

Bisexualität – Es mangelt an Sichtbarkeit, Informationen & Beratungsangeboten

Aus Sicht von Aktivist*innen berichteten Madeline Seel und Karsten Otto von BiBerlin e. V. und Frank Thies von Bi & Friends Hamburg. Die Hauptthemen sind: 1. Fehlende Sichtbarkeit von Bisexualität (in allen ihren Facetten, wie poly-, omni-, pan-) in allen gesellschaftlichen Bereichen und fehlende Informations- und Beratungsstrukturen. Bi sei kein selbstverständlicher Teil des Schulunterrichts und es fehle an didaktischem Material. Bisexuelle Jugendliche seien deutlich weniger geoutet als homosexuelle Jugendliche und haben weniger Ansprechpartner*innen undVorbilder. 2. Diskriminierungserfahrungen würden sowohl in der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft ebenso wie in der queeren Community gemacht. Viele hätten in ihrer „Findungsphase“ und auf der Suche nach Informationen und Beratung schon einmal negative Erfahrungen gemacht, auch weil Beratungsstrukturen mit dem Thema nicht vertraut seien, es an Wissen und Sensibilität mangele. Wenn es um das Thema Diskriminierung von LSBTIQ* geht, werde oft nur von Homo- und Transfeindlichkeit gesprochen, andere Gruppen wie Inter* oder Bi hingegen werden oft vergessen.

 

Maßnahmen

Auch gesellschaftliche Handlungsbedarfe und Forderungen an die Politik wurden im Rahmen der Veranstaltung identifiziert. Dazu gehört mehr Anerkennung und Sichtbarkeit von Bisexualität in allen ihren Facetten (Aufklärung zu Bisexualität, Erstellung von didaktischem Material, Fortbildungen, aber auch symbolische Aktionen, wie das Hissen der Bi-Flagge). Auch die Sensibilisierung spezifischer Diskriminierungsformen, z. B. doppelte Diskriminierung bei institutionalisierter Heterosexualität und institutionalisierter Monosexualität, Projektförderungen und wissenschaftlich fundierte Studien, sowie ein enger politischer Austausch sind erforderliche nächste Schritte. 

 

Grüne Queerpolitik

Der konstante Austausch und die enge Zusammenarbeit mit Aktivist*innen und selbstorganisierten Strukturen stellen für uns Grüne einen wesentlichen Baustein unserer Politik dar. Wir setzen uns ein für Solidarität, intersektionale Bündnisse und Vernetzungen. Im Rahmen der IGSV werden wir in der nächsten Legislatur für eine Umsetzung der diskutierten Maßnahmen kämpfen. Denn für uns Grüne ist klar: alle Buchstaben des Regenbogens haben das gleiche Recht auf Anerkennung, Sichtbarkeit und Diskriminierungsschutz!

 

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