29. Juli 2019

Lesbische Sichtbarkeit in Berlin: Mehr Kohle für die Lesben*

Hier geht es zum Artikel auf taz.de / Autor: Stefan Hunglinger

 

„Wir sind Vorreiterinnen in der Arbeit für ältere und Lesben mit Behinderung. Nach 30 Jahren ist es an der Zeit der Politik zu sagen: Wir wollen Kohle!“, sagt die scheidende Geschäftsführerin von RuT-Rad und Tat e.V., Jutta Brambach am Donnerstag in den Vereinsräumen im Schillerkiez. Und zuvor: „Ich freue mich, dass sich heute Abgeordnete unsere Arbeit vor Ort anschauen.“

Abgeordnete, das sind Antje Kapek, die Fraktionsvorsitzende, Anja Kofbinger und Sebastian Walter, die queerpolitischen Sprecher*innen der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus. Am Tag vor dem Dyke* March „für mehr lesbische Sichtbarkeit und Lebensfreude“, wollten sich die Landesparlamentarier*innen durch eine Besuchstour bei Einrichtungen für Lesben* über deren Arbeit und Bedarfe informieren. Neben RuT standen auch L-Support*, das Opferhilfeangebot für gewaltbetroffene lesbische, bisexuelle und queere Frauen in Schöneberg und das Regenbogenfamilienprojekt LesLeFam (Lesben Leben Familie) auf dem Programm.

Die Kohle, das heißt die Senats-Fördermittel für Projekte im LGBTI*-Bereich seien nach wie vor ungleich verteilt, so Brambachs künftige Nachfolgerin Ina Rosenthal, die selbst im Landesvorstand der Berliner Grünen sitzt. Nur 6 Prozent der Mittel gingen an spezifisch lesbische Projekte, erklärte sie am Donnerstag. Privilegiert seien in Berlin von Männern geführte Projekte, etwa des Lesben- und Schulenverbandes. Geld fehle den Lesben* zum Beispiel für die Realisierung des RuT-Wohnprojekts für Ältere.

Nach juristischen Auseinandersetzungen mit der Schwulenberatung um ein Grundstück in der Schöneberger Linse, wird das Haus nun in der Berloniastraße durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBM errichtet. RuT müsse bei dieser Lösung allerdings als Bauherrin die Projektsteuerung übernehmen, was momentan finanziell nicht zu stemmen sei. „Macht es uns bitte leichter“, so Brambach zu den Abgeordneten.

Veränderte lesbische Selbstverständnisse

Während RuT schon seit Jahrzehnten älteren und Lesben mit Behinderung Unterstützung anbietet, möchte der junge Verein L-Support* in der Potsdamer Straße ein Angebot für gewalt­betroffene lesbische, bisexuelle und queere Frauen sein. Über Opferberatung hinaus setzt sich das Projekt für die vermehrte Sichtbarkeit und Prävention von homophober Gewalt ein.

Und auch hier sind die Mittel knapp. „Wir würden gerne größer werden, dafür reicht aber die halbe Stelle nicht, die wir finanzieren können“ so Projektleiterin Sabine Beck und Katrin Salloch, ehrenamtliche Mitarbeiterin und Mitbegründerin von L-Support* beim Besuch der Grünen.

In beiden Einrichtungen kamen gestern nicht nur Finanzierungsschwierigkeiten, sondern auch veränderte lesbische Selbstverständnisse zur Sprache. Bei RuT hieß es, man müsse im Umgang mit Trans*-Frauen und Intersexuellen noch dazulernen, bei L-Support* kamen Fragen nach den Bedürfnissen und der Kampfbereitschaft gerade jüngerer Lesben* auf. Die spezifische Perspektive lesbischer Familien konnten Kapek, Kofbinger und Walter bei ihrem dritten Besuch in Lichtenberg kennenlernen.

„Bis morgen beim Dyke* March“, hieß es zur Verabschiedung.

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