Veranstaltungsbericht des Neuköllner Fahrradgipfels




Ende Februar fand in unserem Büro der von Stefan Taschner initiierte Fahrradgipfel Neukölln statt. Ziel dieser Bezirkstreffen ist es, sich mit Vertreter*innen von Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft über Raderfolge sowie Probleme im Bezirk austauschen zu können. So können best practice Beispiele gesammelt und Problembereiche definiert werden, und die Ergebnisse in die Abgeordnetenhausarbeit eingespeist werden.

Nach einer Fahrradtour die sowohl an fahrradfreundlichen Orten mit protected bike lane oder Fahrradstraße, als auch an brenzligen Stellen Halt machte, ging es weiter zur Podiumsdiskussion in unserem Wahlkreisbüro.

Zu Beginn erklärte Merja Spott von der Koordinierungsstelle Radverkehr bei SenUVK den Gästen die Aufgabenbereiche der verschiedenen Akteur*innen der Radplanung um klarzustellen, welche Akteur*innen bei welcher Art von Umgestaltung zusammenarbeiten müssen. So ist der Bezirk für den Unterhalt aller Radverkehrsanlagen sowie den ruhenden Verkehr zuständig, es sei denn eine Hauptverkehrsstraße oder Radschnellverbindung ist betroffen. Dadurch dass bei der Umsetzung des Mobilitätsgesetzes eine Vielzahl von Gesetzen, Planwerken und Themen wie die Entwässerung, die Kompatibilität mit dem ÖPNV und des Denkmalschutzes gewährleistet werden muss, dauern Planungsprozesse oft lang. Ein Fokus liegt derzeit auf der Planung der Radschnellverbindungen. Hier werden insgesamt 100 Kilometer Radwege in 10 Trassen geplant. Das Planfeststellungsverfahren was hierfür auf den Weg gebracht wurde sei zwar zeitaufwendig, erhöhe aber nach Abschließung die Umsetzung der Baumaßnahmen.

Saskia Ellenbeck vom Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln verweist in ihrer Präsentation auf eine Umfrage von Robert Geller und seine Kategorisierung von Fahrradfahrer*innen. Seine Umfrage zeigt auf, dass während 7 % der Bevölkerung in Portland begeistert und überzeugt Rad fährt, und 30 % dem Radfahren nichts abgewinnen können, 60% der Menschen interessiert am Radfahren ist, diesem aber besorgt gegenüberstehen. Genau diese Menschen bringe man, so Ellenbeck, durch den konsequenten Ausbau der Radinfrastruktur aufs Rad. In Neukölln sei seit der Einführung des Mobilitätsgesetztes schon vieles umgesetzt worden. Der Umbau des Böhmischen Platzes sei gelungen, die protected bikelane and der Karl-Marx-Straße werde positiv aufgenommen, und die Umwandlung des Weigandufers in eine Fahrradstraße mit modalen Filtern sei durchdacht und nachgebessert worden. Einiges funktioniere, so Ellenbeck, aber natürlich auch nicht gut im Bezirk. Der weitere Umbau der Karl-Marx-Straße soll nach alten Planungen realisiert werden, die nach heutigem Stand veraltet sind, in der Mitte werde ein ungenutzter Mittelstreifen bestehen bleiben. Auch Fahrradweichen seien geplant obwohl diese von den Radaktivist*innen als gefährlich eingestuft werden und sich in den bisherigen Ausführungen nicht bewährt haben. Die Idee das Konzept von Kiezblocks auf Berlin zu übertragen, überzeugt die Initiative, so würden durch Einbahnstraßen und modale Filter ganze Blocks weitgehend vom Autoverkehr befreit. Mit relativ wenig aufwand könnten Modale Filter für die Abgrenzung von „pocket parks“ genutzt werden, die die Lebensqualität der Anwohner*innen deutlich verbessere. In diesen Punkte wünscht sich die Initiative mehr Offenheit von der Verwaltung für neue Ideen und integrierte Maßnahmen.

Bernd Szezepanski aus der BVV Neukölln bestätigt dass die Zählgemeinschaft Neuköllns gemeinsam den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur vorantreibt. Besonders der Ausbau der drei Hauptstraßen, der nicht vom Bezirk geplant werden kann, sei jedoch schwierig. Hier gäbe es größtenteils je Richtung 1,5 Fahrstreifen für Autos, was oft zu einem Durcheinander und extrem dichter Befahrung führe. Ein Umbau auf nur einen Autostreifen sowie einen Radstreifen könnte für alle Verkehrsbeteiligten Vorteile bringen. Durch den geplanten Autobahnanschluss an der Sonnenallee wird der Autoverkehr zukünftig noch einmal steigen, daher sei es wichtig dies jetzt schon in die Planungen aufzunehmen. Zeitgleich werde nun allerdings auch die Tramstrecke angedacht, was Planungen teilweise verzögert.

In der Diskussion wurde die Konzentration der Umbaumaßnahmen auf Nord-Neukölln bemängelt, Südneukölln werde zu sehr vernachlässigt. Das Radbügelprogramm werde allerdings gerade auf den Süden ausgeweitet, Vorschläge für gute Radbügelstandorte werden gerne entgegengenommen. Auch weitere Anträge für Umbauten im Süden werde die grüne Fraktion bald stellen. So sei es u.a. im Gespräch die Krokusstraße zur Fahrradstraße umzubauen.

Susanna Kahlefeld betonte, dass die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur auch oft einen positiven Effekt auf soziale Faktoren hat. So würden sich durch sichere Radwege auch Menschen aufs Rad trauen die dies bisher nicht taten, deren Mobilitätsradius würde somit erhöht werden. Die erhöhte Attraktivität des Wohnumfeldes käme besonders auch den Anwohner*innen zugute die sich aus ihrem Kiez nicht viel wegbewegen.

Bei allen Podiumsteilnehmer*innen und Gästen möchten wir uns für die konstruktive Diskussion und die vielen Ideen bedanken. Das Gespräch hat aufgezeigt, dass in Neukölln in Bezug auf die Verbesserung der Radinfrastruktur schon einiges passiert ist, und auch in Zukunft noch viel getan wird und werden muss. Wir bleiben dran!

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