26. April 2021

Veranstaltungsbericht: Lesbenfeindliche Gewalt - Sichtbarkeit von Hasskriminaliät in Berlin

Am 12. April haben mein Kollege Sebastian Walter und ich zur Vorstellung des Berliner Monitoring „Trans- und homophobe Gewalt“ und zur Podiumsdiskussion „Lesbenfeindliche Gewalt - Sichtbarkeit von Hasskriminaliztät in Berlin“ eingeladen, an der über 50 Personen teilgenommen haben.

 

Unsichtbarkeit lesbenfeindlicher Gewalt in Berlin

Dr. Almut Sülzle, eine der Autor*innen des Monitorings, berichtete von der großen Bereitschaft über das Thema und Erfahrungen mit lesbenfeindlicher Gewalt zu sprechen, durch die verschiedenen Projekte und Träger gebe es vielschichtige Perspektiven. So erlebten 57% der Befragten in letzten 5 Jahren lesbenfeindliche Übergriffe oder Gewalt. Berlin sei zwar eine queere Zufluchtsstätte aber gleichzeitig nehme Gewalt zu und der „gesellschaftliche Schutz“ im Empfinden der Befragten ab. Gerade bei der Gewalt gegen Lesben kämen drei Faktoren verschärfend dazu: Unsichtbarkeit lesbenfeindlicher Gewalt, denn Frauen zeigen seltener an, Verschränkung lesbenfeindlicher Gewalt und (Hetero)Sexismus wird oft nicht gesehen, sowie das gesellschaftliche Wegsehen – nicht eingreifen von Unbeteiligten, Zuschauer*innen bei Übergriffen in der Öffentlichkeit.
Dies bestätigten auch Ina Rosenthal (RuT) sowie Gülây Akin (Les MigraS) in ihren Inputs und aus der Erfahrung ihrer Klient*innen.
Auf dem Panel betonte Sabine Beck von L-Support, dass Frauen, die bei ihnen Beratung suchten oft Vorfälle selbst bagatellisieren würden, da Diskriminierung ein Dauerzustand wäre. Juliana Kolberg von xart splitta wies darauf hin, dass Gewalt nicht nur physisch sein, sondern oft eine intersektionale Diskriminierungserfahrung darstelle, welche eine traumatische Erfahrung sei.

 

Empowerment-Strukturen fördern und nachhaltig gestalten

Empowerment brauche Räume, betonten alle Podiumsteilnehmer*innen. Räume für Beratung und Information, aber auch Räume wo Betroffene sich mit ihren Erfahrungen, Traumata auseinander setzen können ohne das Gefühl zu bekommen handlungsunfähig zu sein und wo (Selbst)Bewusstsein geschaffen werden kann. Solche Safe Spaces sollten aber nicht nur für akute Bedürfnisse geschaffen werden, vielmehr sollten sie nachhaltig wirken, beständigen Raum für Rückzug, zum Austausch und auch für die Hilfe zur Selbsthilfe bieten können. Nur gestärkt ließe sich mit Angriffen umgehen und darauf aufmerksam machen.

Mit Blick auf Prävention sei es unabdinglich die Zivilgesellschaft zu sensibilisieren aware bei Übergriffen und Hasskriminalität zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Insbesondere auch Clubs, Kneipen und Betriebe wie die BVG könnten hier einen Beitrag leisten.

 

Grüne Queerpolitik geht weiter

Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass das Monitoring zu „Trans- und homophober Gewalt“ in Berlin kontinuierlich weitergeführt wird. Im Rahmen der IGSV werden wir auch in der nächsten Legislatur für mehr lesbische Sichtbarkeit in Berlin einsetzen und gruppenbezogene Hasskriminalität bekämpfen. Mit der Förderung von Projekten, dem konstanten Austausch und die enge Zusammenarbeit mit Aktivist*innen und selbstorganisierten Strukturen und durch politisches Hinterfragen von gesellschaftlichen Strukturen wollen wir Sichtbarkeit(en) schaffen, Veränderungen anstoßen und diskriminierungsfreies, queeres Leben in ganz Berlin stärken. Denn für uns ist klar: alle Buchstaben des Regenbogens haben das gleiche Recht auf Anerkennung, Sichtbarkeit und Diskriminierungsschutz!

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