23. April 2020

Hilfe für Frauen während der Corona-Pandemie

Die Corona-Krise verstärkt häusliche Gewalt

Die Corona-Krise bedeutet für uns enorme Einschränkungen, was unsere Bewegungsfreiheit angeht. Paare, Wohngemeinschaften und Familien bleiben aufgrund der Kontaktsperre zu Hause, Berlin-typisch oft in engen Wohnverhältnissen. Gleichzeitig ist die ungewisse Situation für alle extrem belastend. Zu der räumlichen Enge kommen oft noch finanzielle Sorgen, das Konfliktpotential steigt. In diesen Krisenzeiten steigt die häusliche Gewalt. Durch das social distancing ist sie noch weniger sichtbar und die Ausgangsbeschränkungen machen es Frauen schwerer, sich in Sicherheit zu bringen. Umso wichtiger ist es, Hilfsangebote und Schutzplätze der steigenden Nachfrage entsprechend auszustatten.

Sicherstellung von Schutzplätzen und Beratungsangeboten während der Krise

Der Senat ist im regelmäßigen Austausch mit Frauenhäusern und Beratungsstellen. Die Lage ist derzeit angespannt, denn auch die Schutzeinrichtungen haben Pandemiepläne und können ihre Plätze Corona-bedingt nicht voll belegen. Daher hat der Senat 130 temporäre Schutzplätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder geschaffen, um für die steigende Nachfrage gerüstet zu sein.

Wir sind froh, den steigenden Bedarf erst einmal auffangen zu können. Dennoch ist es wichtig, dass der Senat die Anzahl der Schutzplätze wie geplant weiter ausbaut. In den temporären Unterkünften kann nicht die fachgerechte Unterstützung gewährleistet werden, die Frauenhäuser mit ihren qualifizierten Mitarbeiterinnen bieten. Außerdem rechnen die Hilfseinrichtungen damit, dass es einen enormen Ansttieg der Nachfrage geben wird, sobald es wieder möglich ist, sich frei zu bewegen. Um den Schutzeinrichtungen langfristig eine auskömmliche Finanzierung zu gewährleisten, ist auch der Bund gefragt.

Die meisten Hilfs- und Beratungsstellen haben sich erfolgreich auf eine digitale Arbeitsweise umgestellt. Videochats sind aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht unproblematisch, aber über Telefon und Mails funktioniert der Austausch bisher gut. Die Wohnungsvermittlung für wohnungslose Frauen hat komplett auf digital umgestellt und kann gerade sehr viele Wohnungen vermitteln. Auch die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen beraten inzwischen online oder telefonisch. Es wird ein digitaler Beratungsschein zur Verfügung gestellt.

Allerdings bereiten mögliche Ausfälle von Mitarbeiterinnen, bedingt durch den Wegfall der Kinderbetreuung oder der Zugehörigkeit zu Risiko-Gruppen, große Sorgen. Wir setzen uns dafür ein, dass Mitarbeiterinnen in der Fraueninfrastruktur als systemrelevant eingestuft werden, damit sie Anspruch auf Kinderbetreuung und Priorisierung bei COVID19-Tests erhalten.

Außerdem müssen die Hilfs- und Beratungsstellen mit besserer digitaler Infrastruktur ausgestattet werden, um betroffenen Frauen bei steigender Nachfrage langfristig und fachgerecht helfen zu können. Hierfür müssen entsprechende Ressourcen im Haushalt vorgesehen werden.

Sexarbeiter*innen

Sexarbeiter*innen sind von den derzeitigen Kontaktverboten ganz besonders betroffen. Um sie vor Wohnungslosigkeit zu schützen, wurde das Übernachtungsverbot in Prostitutionsstätten ausgesetzt. Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, ein von der Schließung bedrohtes Projekt für wohnungslose und/oder drogenabhängige Sexarbeiter*innen der Kurfürstenstraße zu retten. Wir freuen uns, dass hier eine schnelle Lösung gefunden werden konnte.

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