04. Juli 2018

Fachtag LUST. Im Kontext sexueller Selbstbestimmung





Alle zwei Jahre führt das Familienplanungszentrum BALANCE Berlin einen Fachtag durch, um die Debatte eines aktuellen Themas aus den Bereichen Liebe, Partnerschaft und Sexualität zu begleiten. Die diesjährige Veranstaltung am 21. Juni 2018 widmete sich dem Thema "LUST. Im Kontext sexueller Selbstbestimmung". Workshops griffen verschiedene Dimensionen des Themas auf: Die Einvernehmlichkeit im Sexualstrafrecht wurde ebenso beleuchtet wie Auswirkungen von gesellschaftlichen Normen auf die freie Entfaltung der Lust.

Ich habe mich sehr gefreut, den Fachtag mit einem Grußwort eröffnen zu dürfen. Weibliche Lust war in unserer Gesellschaft lange ein Tabuthema. Lust jenseits der cis-männlichen, heterosexuellen Lust wurde unsichtbar gemacht und pathologisiert. Menschen wurden aufgrund ihrer Lust verfolgt, eingesperrt und ermordet. Besonders im Bereich der Sexualität sind die gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse der Patriarchats eingeschrieben. Sexualität ist mehr als nur Sex - es geht um Rollenzuschreibungen, Regeln und Rechte, es geht um Macht und Politik.

Der Umgang mit weiblicher und queerer Lust ist heute ein anderer. Der Wandel der Sexualmoral ist ein Resultat von sozialen Bewegungen, vor allem der Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegungen seit den 70ern. Frauen/ LSBTIQ haben sich eine selbstbestimmte Position hart erkämpft. Doch es ist noch viel zu tun, um patriarchale Strukturen auch in diesem Bereich des Lebens zu bekämpfen. Denn wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der alle Geschlechter ihre sexuellen Vorstellungen, Identitäten und Phantasien annehmen und offen über ihre Bedürfnisse und ihre Lust kommunizieren können.

Es ist an der Zeit für eine emanzipierte Form der Sexualität. Es gilt gesellschaftliche Normen und "Normalitäten" rund um Lust zu hinterfragen: Wie frei und sexuell selbstbestimmt sind wir wirklich? Wie viel wissen wir über unsere sexuelle Identität? Es gilt, die Vielfalt von Begehren und Lust sichtbar zu machen. Raum zu schafften für oft ausgeblendete Perspektiven, für die Vielfalt intersektionaler sexueller Identitäten. Es geht um Einvernehmlichkeit und Selbstbestimmung und noch Vieles mehr. Es freut mich, dass das Familenplanungszentrum die aktuelle Debatte aufgreift, um sich dem Thema mit positiven Ansätzen zu nähern.

(Fotos: Familienplanungszentrum Balance Berlin)

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