Zum Gedenken an Hatun Sürücü und die weiteren Opfer von Gewalt gegen Frauen in unserer Stadt
Am 7. Februar 2011 wurde am Gedenkstein in Tempelhof an Hatun Sürücü erinnert. An dieser Stelle wurde die 23-jährige vor sechs Jahren von ihrem jüngsten Bruder erschossen, weil sie sich Zwang und Unterdrückung durch ihre Familie nicht unterwarf, sondern ein selbstbestimmtes Leben führte. Dieser Mord hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und viele Diskussionen sowie politische Forderungen angestoßen.
Anja Kofbinger, frauenpolitische Sprecherin und Canan Bayram, integrationspolitische Sprecherin, haben diesen Tag zum Anlass genommen, zehn Jahre nach der Gründung der Interkulturellen Initiative e.V. mit deren Mitarbeiterinnen eine Bilanz zu ziehen. Dieser von Frauen gegründete Verein bietet für Migrantinnen und ihre Kinder in Gewaltsituationen Schutzraum und Beratung an, bildet durch Fortbildungen weitere Fachkräfte aus, ist Anlaufstelle für Angehörige und sensibilisiert durch Öffentlichkeitsarbeit die ganze Stadt. Gemeinsamen wurden die Erfolge und Probleme der interkulturellen Frauenarbeit besprochen.
Das Angebot der Interkulturellen Initiative hat sich in der letzten Jahren sehr erweitert. Die Erfahrungen aus ihrer Arbeit wurden in einem vom BMFSFJ geförderten Reader für andere Einrichtungen zusammengestellt und haben zur Professionalisierung der Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen beigetragen. Doch diese gute Arbeit könnte noch ausgedehnt werden, wenn eine entsprechende Finanzierung ermöglicht werden würde. Neue Aufgabenfelder wie Beratung bei drohender Zwangsverheiratung, aufsuchende Betreuung und Beratung von Angehörigen kann nur umgesetzt werden, wenn neue Ressourcen akquiriert werden.
Bündnis 90/ Die Grünen werden sich dafür einsetzen, dass die erfolgreiche Arbeit dieser Frauen auch angemessen Unterstützung erhält und wird dementsprechende parlamentarische Schritte einleiten. Wir fordern den rot-roten Senat auf, Opferrechte zu stärken und auszubauen. Nötige Hilfsangebote für betroffene Frauen müssen sichergestellt sein. Gleichzeitig muss auch präventiv gegen sogenannte Ehrenmorde vorgegangen werden. Hier fehlen immer noch die versprochenen Beratungs- und Aufklärungsangebote in Schulen und Jugendfreizeitstätten.
Zum Auftakt unseres C&A-Projektes luden wir am „Internationalen Tag der Migrantinnen und Migranten 2010", dem 18. Dezember, zu einer Podiumsdiskussion ins Maschari-Zentrum in Kreuzberg ein. Unsere Gäste waren Birol Uçan (IVWP e.V.), Pinar Çetin (DITIB), Maik Baumgärtner (Journalist), Canan Bayram (MdA), Alke Wierth (Journalistin) übernahm die Moderation. Mit etwa zwanzig Gästen diskutierten wir über multikulturelles Leben in Kreuzberg und islamophobe Tendenzen - und natürlich fiel in diesem Zusammenhang häufig der Name von Thilo Sarrazin, der mit seiner jüngsten Buchveröffentlichung eine wochenlange Debatte ausgelöst hatte. Nicht nur Canan Bayram äußerte die Befürchtung, daß er die Sagbarkeitsschwelle gesenkt und dadurch Diskriminierungen wieder hoffähiger gemacht habe.
» Bericht von Juliane Wiedemeier: "Gegen die Angst" (taz | 19.12.2010)
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